Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

mit ersten, noch sehr vorsichtigen Lockerungen, begann diese neue Woche. Ob alsbald weitere folgen können, wird sich zeigen. Denn zunächst gilt es, die neu erlernten  Distanzregeln auch im wiedergewonnen Alltag beizubehalten und vor allem, diese kontinuierlich anzuwenden.

In vielen Bereichen wird es auch weiterhin noch enorme Einschränkungen geben, wir fahren weiter „auf Sicht”. Trotz intensiver Forschung wissen wir noch zu wenig über das Virus und wie wir ihm – insbesondere medizinisch – Herr werden können, als dass ein fixer und sicherer Fahrplan aus
dieser Krise erstellt werden könnte. Wir werden also weiterhin eine ganze Menge an Disziplin,  aber auch Geduld brauchen.

Geduld ist etwas, das gerade in vielen Familien mit schulpflichtigen Kindern, mehr denn je gefragt ist. Die Pläne des Kultusministeriums sehen derzeit vor, dass der  Schulbetrieb zunächst ab Mai mit den höheren Klassen wieder startet. Für viele Kinder bleibt es daher zunächst
beim mehr oder minder eigenverantwortlichen  Homeschooling, das durch die Eltern so gut als irgend möglich begleitet wird. Eine weitere Ausnahmesituation in der Ausnahmesituation, die oftmals ungeahntes Konfliktpotential haben kann.

Natürlich kann das Homeschooling-Szenario in vollendeter Harmonie funktionieren und selbstverständlich
gibt es auch Kinder, die gänzlich eigenständig lernen. Aber machen wir uns nichts vor, es ist für viele von uns gerade alles sehr viel, auch für unsere Kinder. Darum seien wir nachsichtig – mit uns und mit ihnen. Denn wo unweigerlich
Platz für all die Sorgen und Nöte, die Einschränkungen und Ungewissheit sein muss, da braucht sich nicht auch noch ständig immenser Druck zu tummeln.

Als Vater bin ich mir ziemlich sicher, dass es keinem Kind oder Jugendlichen wirklich schaden wird, in dieser für allen schwierigen Zeit nicht auf Teufelkommraus dreihundert Vokabeln gepaukt, die Flächenberechnung von Zylindern geknackt oder irgendwelche chemischen Formeln auswendig gelernt zu haben. Wenn unsere Kinder sich irgendwann an diese unwirklichen Zeiten erinnern, sollten sie dann nicht  vielmehr an den Zusammenhalt denken, statt an  immerwährenden Druck und daraus resultierende Konflikte?

Wir alle haben gewisse Ansprüche hinsichtlich Leistung oder Bildung, aber vielleicht ist es gerade jetzt an der Zeit, diese der Situation und den Gegebenheiten anzupassen. Vielleicht sollten wir unsere Nerven nicht noch zusätzlich, weit über  Gebühr, strapazieren und den Druck, der auf vielen von uns lastet, ein wenig zurücknehmen. Denn an den momentanen Umständen können wir wenig ändern, um so wichtiger ist es, dass wir nicht an ihnen verzweifeln.

Lassen wir doch in manchen, sonst unbestritten wichtigen Dingen, einfach mal ein wenig Nachsicht walten.
Für uns alle.

Kommen Sie sicher und gesund durch diese Zeit!

Ihr Bürgermeister
 
Unterschrift BM Götz
Dr. Heinrich Götz