|
Atommuseum erhält Originalgeräte von Otto Hahn Haigerloch.
-- Seit Anfang November 2000 ist das Atomkeller-Museum im Besitz
von mehreren Originalgeräten aus dem ehemaligen Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut
für Chemie, an dem 1938 Otto Hahn und Liese Meitner die Kernspaltung
entdeckt haben. Es handelt sich dabei um Elektrometer, über
deren Entladung die Stärke der Radioaktivität von Präparaten
gemessen wurde. Einzelne Geräte tragen die originale Inventarbezeichnung
"Abt. Hahn - Meitner".
Originalgeräte aus dem Nachlass von Prof. Herr
Die Geräte stammen aus dem Nachlass von Prof. Dr. Wilfried
Herr, der 1958 bis 1982 als Ordinarius am Institut für Kernchemie
der Universität zu Köln wirkte. Seit seinem Tod im Jahre
1992 wurden sie von seiner Witwe in Köln aufbewahrt. Nun sind
sie an den Vertreter des Atomkeller-Museums, Dr. M. Thorwart, übergeben
worden. Frau Herr trat über die Internet-Homepage des Atomkellers
mit dem Museum in Kontakt. Aufgrund ihrer Verbundenheit zum ehemaligen
Hahnschen Institut in Tailfingen überließ sie nun die
ehemaligen Messgeräte dem Haigerlocher Museum.
Hahns Arbeitsgruppe in Tailfingen
Prof. Herr war in den 40er Jahren Doktorand von Prof. Otto Hahn
und ging 1944 mit Hahns Arbeitsgruppe von Berlin nach Tailfingen.
Frau Herr lernte ihrem späteren Ehegatten über ihre Tätigkeit
als Chemisch-Technische Assistentin (mit eigener Glasbläserausbildung)
in Hahns Gruppe kennen. Laut Frau Herr war bereits 1943 absehbar,
dass sie Berlin wohl verlassen werden müssten. Ziel war es,
möglichst weit weg von der deutschen Ostgrenze und fern ab
von großen Industrieansiedlungen eine neue Bleibe zu finden.
Hahns Mitarbeiter Göttel organisierte den Umzug von Berlin
nach Tailfingen. Neben Hahn, Göttel und den beiden Herrs war
u.a. auch Prof. Strassmann, Dr. Seelmann-Eggebert, Dr. Erbacher
und Dr. Wittig (ein Lehrer aus Bremen) nach Tailfingen übergesiedelt.
Das Hahnsche Labor wurde in der Tailfinger Trikotwarenfabrik von
Ludwig Haasis eingerichtet. Das Ehepaar Herr war bei Fam. Meyer
in Tailfingen untergebracht. Frau Herr erinnert sich, dass das Essen
im Gasthof Eisenmann eingenommen wurde und dass sie immer als besondere
Gäste sehr zuvorkommend behandelt wurden. Die wissenschaftliche
Arbeit in dieser Zeit (1944/45) beschreibt sie als sehr bescheiden,
da es an allem möglichen Nachschub, wie z.B. Säuren etc.,
mangelte. Sie seien häufig mit der Sicherung der elementaren
Lebensgrundlagen beschäftigt gewesen. So verdienten laut Frau
Herr viele Mitarbeiter von Hahn sich ein Zubrot über ihre Tätigkeit
als private Lehrer in der Umgebung. Frau Herr beschreibt Otto Hahn
als sehr gutmütige und warmherzige Perönlichkeit mit großer
Ausstrahlung.
Kontakt zur Arbeitsgruppe von Heisenberg
Zu der Physikergruppe von Heisenberg, die ihr Institut nach
Hechingen und ihr Labor in den Haigerlocher Keller verlegt hatten,
gab es, so Frau Herr, einen regen Kontakt. So war sie selbst mit
Inchen von Laue, der Tochter des Physikers Prof. Max von Laue, befreundet.
Zahlreiche Besuche führten so Prof. v. Laue von Hechingen nach
Tailfingen.
Nach Kriegsende
Bei Kriegsende 1945 wurden die erfahrenen Mitglieder der Arbeitsgruppe
zusammen mit Hahn von der amerikanischen Spezialeinheit ALSOS in
Tailfingen verhaftet und in England interniert. Der junge Doktorand
Herr konnte jedoch zusammen mit seiner Frau bis 1948 in Tailfingen
bleiben und in dieser Zeit seine Promotionsprüfung an der Universität
Tübingen absolvieren. Frau Herr konnte an der Realschule in
Ebingen und am Gymnasium Sigmaringen ihr Abitur nachholen.
Aus der süddeutschen Gegend führte der Weg das Ehepaar
Herr nach Mainz an das dort gegründete Max-Planck-Institut
und später 1958 weiter nach Köln. Das heutige Kölner
Institut für Biochemie folgte dem Institut für Kernchemie
nach. Frau Herr hat sehr positive Erinnerungen an ihre Zeit im Württembergischen
und hofft, ihrem damaligen Wohnort bald einen Besuch abstatten zu
können.
26. November 2000 von Dr. Michael Thorwart
|